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10. August 2011 08:50
Das ist noch nicht die richtige Zeit!

Heute spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft freund-schaftlich gegen jene aus Brasilien. Während der obliga-torischen DFB-Pressekonferenz wurde Joachim Löw gestern von einem Sportjournalisten gefragt, ob er ein Konzept für die Zukunft habe. "Natürlich sprechen wir permanent darüber, aber jetzt ist noch nicht die


richtige Zeit, die Spieler in diese Überlegungen einzubinden", antwortete der Bundestrainer. Übertragen Sie diesen Satz einmal auf Ihren Traineralltag.

Angenommen, Sie sitzen in einer Besprechung. Auf der Agenda stehen strategische Themen, zum Beispiel die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Plötzlich meldet sich einer Ihrer Mitarbeiter zu Wort: "Ehe ich es vergesse, ich hab heute nicht viel Zeit. Ah, da klingelt mein Telefon. Sorry, ich muss dringend los!".

Oder Ihre Abteilungsleiter diskutieren 20 Minuten lang darüber, ob bei einer Kundenveranstaltung Mineralwasser bereit gestellt werden soll.

Oder Sie fragen am Ende einer strategischen Besprechung in die Runde: "Alles klar?" Zustimmendes Nicken. Beim nächsten Treffen wird klar, dass offenbar nichts klar war.

Warum ist das so?

Ihre Mitarbeiter stehen auf dem Platz, haben ein viel engeres Sichtfeld und weniger Informationen, als Sie. Hinzu kommt: Nur wenige im Team sind mit Spielmacher- oder gar Trainerqualitäten gesegnet. Die meisten Ihrer Mitarbeiter denken deshalb nicht strategisch, können das Spiel nicht lesen.

Mit zu vielen Informationen oder mit Gedanken, die in Ihrem eigenen Kopf noch unklar sind, überfordern Sie Ihre Mitarbeiter. Im schlimmsten Fall fühlen sich ihre Mitarbeiter dumm, werden unsicher und machen sich kleiner, als sie sind. Oder sie bringen Themen ins Spiel, die ebenfalls wichtig sind, aber nicht in eine strategische Besprechung gehören, Klopapier und Mineralwasser.

Überlegen Sie gut, wen Sie wann in welche Überlegungen einbinden. Lukas Podolski sitzt auch nicht in Joachim Löws Trainerbesprechung, wenn Konzepte für die Zukunft entwickelt werden.

Sport frei!
Mirko Schneider