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28. Juli 2011 14:20
Alles Scheiße, Deine Elli!

"Das Schönste am Sport ist das Gefühl danach, wenn man die ausgelösten Glückshormone genießen kann", sagt Skilanglauf-Olympiasiegerin Claudia Nystad. Für dieses Gefühl treiben Sportler Sport. Für welches Gefühl gehen Mitarbeiter zur Arbeit, auf den Platz?




Vor zwei Wochen saßen mir 16 Mitarbeiter einer Abteilung gegenüber, die mich ansahen als sei ich Pfarrer Schneider, der gleich zur Grabrede ansetzt. Im Laufe des Trainings stellte ich dann eine Frage in die Runde:

"Wann sind Sie zum letzten Mal nach Hause gegangen und haben gedacht: 'Heute war ein richtig geiler Tag!'?" Nach ausreichend Bedenkzeit und zweimaligem Nachfragen, antwortete der Mitarbeiter mit der grimmigsten Miene:

"Kann mich nicht erinnern, eigentlich noch nie!".
"Wie lange spielen Sie denn schon im Team?"
"Seit 25 Jahren."
"Sie spielen 25 Jahre hier und hatten noch nie einen geilen Tag?"
"Nicht, dass ich wüsste."
"Sie sind aber gesund? Also Sie leiden nicht an Alzheimer?"
"Nein."
"Dann ist das hier keine Arbeit für Sie, sondern unendliches Leid?"
"Ich muss ja Geld verdienen!"
"Hm. Leuchtet ein."

Am Ende fielen ihm doch noch fröhliche Momente ein. Na wer sagt's denn.

Dieses Beispiel ist sicher extrem. Tatsächlich überlegen die meisten Mitarbeiter relativ lange, wenn ich diese Frage stelle. Warum? Weil das Spiel an ihnen vorbei läuft. Oder weil das Spiel nicht ausreichend reflektiert wird. Einige merken gar nicht, wenn ein Tor geschossen wird oder werden nicht in den Torjubel einbezogen.

  1. Wann fällt in Ihrem Spiel ein Tor? Wenn der Auftrag unterschrieben oder der Kunde begeistert ist und sich bedankt? Wann ist das Spiel gewonnen? Wenn der Auftrag mit Gewinn abgeschlossen wird?
  2. Wissen alle im Team, wann ein Tor gefallen und ein Spiel gewonnen ist? Kennen alle den aktuellen Tabellenstand?
  3. Würdigen Sie hervorragende Mannschafts- und Einzelleistungen ausreichend, im Team: "Klaus, Dein Pass heute, zum Zungeschnalzen!"?

Für Mitarbeiter ist das Schönste an ihrer Arbeit das Gleiche, wie für Claudia Nystad und andere Sportler. Warum auch nicht? Sie sind ja selbst Sportler, auf ihrem Spielfeld, in ihrer Branche.

Sport frei!
Mirko Schneider