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07. Juli 2010 13:38
Vom Sozialismus lernen, heißt siegen lernen!

20. Juni 2000. Gepeinigt verlassen unsere Jungs die Europameisterschaft in Holland und Belgien, als Letzte der Gruppe A. Im Mannschaftsbus liest der damalige Bundestrainer Sir Erich Ribbeck das kurz zuvor erschienene Buch „Gespräche mit Margot Honecker“, von Luis Corvalan. Er ist fassungslos.

Aufgeregt telefoniert Herr Ribbeck noch während der Heimfahrt mit Franz Beckenbauer. Gemeinsam schmieden die beiden einen teuflischen Plan, den 10-Jahresplan. In Zusammenarbeit mit Schulen und Fußballvereinen sollen 388 DFB-Sichtungsstützpunkte aufgebaut werden, überall in Deutschland. 1.000 Trainer sollen dort die spielerischen Talente der Kinder und Jugendlichen entdecken. In Leistungsstützpunkten und Internaten sollen die Gesichteten danach mindestens 6-7 Mal pro Woche individuell trainieren. Das tollkühne Ziel: Europameister mit der U17 und der U19 werden. Außerdem sollen die 12- bis 14-jährigen Rabauken Özil, Khedira, Neuer und Boateng mit der U21 zuerst die Europameisterschaft gewinnen und ein Jahr später den WM-Pokal der Erwachsenen aus Südafrika nach Hause holen.

Alles lief soweit nach Plan. Doch zur Halbzeit, 2005, war die Luft irgendwie raus. Nur noch fünf Jahre blieben Zeit. Erich und Franz sahen ihr Ziel in weiter Ferne. Dann geschah das Wunder! Matthias Sammer wurde als Cheftrainer des Bundesligisten VfB Stuttgart entlassen. Ein Sachse, der im DDR-Sportinternat aufwuchs und im Staatsbürgerkundeunterricht alles über 5-Jahrespläne lernte- ein Glücksfall. Der ideale DFB-Sportdirektor! Den Rest kennt Ihr.

Was sagt uns das? Dass gezielte Talentförderung funktioniert und zwar in allen Bereichen, nicht nur im Sport. Dass Pläne aufgehen, wenn man konsequent auf seinem Weg bleibt. Dass man die richtigen Leute um sich braucht. Dass Mut immer belohnt wird. Dass der Erfolg aus Klugscheißern Schulterklopfer macht. Und dass Margot Honecker am Sonntag neben Königin Beatrix sitzen sollte und nicht Christian Wulff.

Seid bereit! Immer bereit!
Mirko Schneider