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Letzte Woche traf mich fast der Schlag, als ich zur Mittagszeit die Fleischerei Gurke betrat. Ratet mal, wer dort im Team spielt! Da kommt Ihr nie drauf! Frau Völler, kein Witz! Anpfiff.
Der Fleischerei-Imbiss war rappelvoll mit Wandersleuten. Wie viele genau, erfuhr ich, als die Anführerin der Reisegruppe die Order aufgab: „25 Portionen Grützwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei!“ Keine Ahnung, was die Power-Walker im Wald erlebt hatten, aber es muss schrecklich gewesen sein.
Nach 22 Portionen war der Grützwursttrog leer. Für die übrigen drei Pilgerer gab es Schweinskopfsülze. Die Glücklichen.
Frau Völler war nach dieser Anstrengung sichtlich genervt. Vom Grützwurstdampf hatte sie ganz glasige Augen. Ich vermute, sie konnte die nächsten Kunden in der Reihe nur schemenhaft erkennen. Zu allem Unglück sprach das ältere Holländerpärchen kaum Deutsch. Insbesondere das Substantiv „Bockwurst“ bereitete den beiden größte Schwierigkeiten. Frau Völler schien kurz vor der Amokgrenze. Noch ein falsches Wort und die zwei Tulpenpflücker wären nicht in ihrem Wohnwagen in die Heimat überführt worden.
Ich konnte Deutsch und bestelle zügig, Putengeschnetzeltes mit Reis. Während ich speiste, bediente sich Frau Völler ihrer letzten Kraftreserven. Sie fraß Gras. Im Hintergrund erläuterte ihr Chef (Herr Gurke) mit blutverschmierter Metzgerschürze einem Mann mit Hut, wer schuld an der Finanzkrise ist. Abpfiff.
Frau Völler war ziemlich unfreundlich, besonders zu den Holländern. Vor allem aber war sie mit der Situation überfordert. Mehr als 30 Gäste stürmten gleichzeitig das Spielfeld, das gab's bestimmt noch nie. Irgendwann ist immer das erste Mal.
Beim nächsten Andrang dieser Art kann sie schon etwas mehr Gelassenheit ausstrahlen. Zum Beispiel, in dem sie die Wanderer fragt, wohin sie marschiert sind und was sie erlebt haben. Wer Bockwurst nicht aussprechen kann, den holt sie einfach hinter ihren Tresen und bittet ihn, zu zeigen, wonach der Zahn tropft.
Wenn Frau Völler mit dieser Einstellung auf den Platz geht, wird sie am Abend, trotz Stress, gut gelaunt nach Hause pilgern und ihre Kunden werden nicht nur satt sein, sie werden sich auch wohl fühlen. Sie werden den Lieben daheim nicht von einer garstigen Tante, sondern von einer ehrgeizigen, pfiffigen Spielerin berichten. Und sie werden wieder kommen.
Morgen gehe ich erstmal wieder zu Frau Kahn und Frau Lehmann [Spielbericht vom 13.02.08]. Und wenn ich wissen will, was „die da oben“ so treiben, setze ich mir einen Hut auf und frage Herrn Gurke.
Sport frei!
Mirko Schneider


