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„Ich geh mir nur mal schnell den Lidschatten nachziehen.“ Mit diesen Worten hatte sich Kevin am vergangenen Samstag von seinem Kumpel Jermaine in der Halbzeitpause des Spiels der Deutschen gegen die russischen Wodkatreidler verabschiedet. Offiziell heißt es, Kevin sei böse gewesen, weil er nicht spielen durfte. Aber stimmt das wirklich? Blicken wir einmal hinter die Kulissen! Bundestrainer Joachim Löw hatte die beiden doch eher femininen Fußballspieler Jermaine Jones und Kevin Kurányi zum eigenen Schutz auf der Tribüne versteckt.
Das war Kevin aber nicht sicher genug. In der ersten Halbzeit konnte er seine Angst vor dem Funkeln sibirischer Goldzähne noch im Prosecco ersaufen. Aber irgendwann kippt auch die stärkste Lady aus den Pumps.
Ganz ehrlich, ich kann Kevin verstehen. Und ich wette, dass 95 Prozent von uns ihr Schminkköfferchen und ihre Beine ebenfalls in die Hand genommen hätten. Zumal gestern auch noch die Waliser, Abtrünnige des britischen Königreiches, als brachiale Gegner lauerten. Ohne ein Wort musste sich Kevin ja nicht gleich verdrücken. Er hätte sich die paar Minuten auch auf dem Klo einschließen können oder so.
Für die Spiele gegen die Russen und die Waliser wurden jedenfalls echte Männer gebraucht. Jene, die diesem Anforderungsprofil am nächsten kamen, durften spielen. (Deshalb musste zum Beispiel auch Torsten Frings draußen bleiben.) Selbst die Werbewelt hat sich an beiden Tagen darauf eingestellt. Ist Euch aufgefallen, welche Werbung auf den Banden am Spielfeldrand blinkte? OBI, Bauhaus, Buderus, Würth, Kärcher, Auto Dienst. Und natürlich Erfurt Rauhfaser.
Aber es kommt die Zeit, da sehen wir auch wieder L’Oréal, Persil und H&M. Spätestens, wenn es gegen die homoerotischen Italiener, Spanier oder Portugiesen geht. Und dann dürfen Kevin, Jermaine und Torsten auch wieder ihre Stärken ausspielen.
Der Fußball macht es uns wieder einmal vor. Nicht schöne Haare entscheiden, ob jemand spielt, sondern die Leistung. Und damit meine ich nicht krankhaftes „Höher! Schneller! Weiter!“. Sondern jene Leistung, die ein Team stärkt. Trägt die Leistung des Einzelnen zur Stärkung des gesamten Teams bei oder nicht? Wenn nicht, welchen Grund sollte es geben, den Einzelnen im Team spielen zu lassen? Schönheit? Für schönes Spiel gibt es keinen Preis!
Schönheit blendet. Joachim Löw hat sich als Chef nicht blenden lassen. Lukas Podolski und Miroslav Klose sind sicher nicht schnuckeliger als Jermaine Jones und Kevin Kurányi. Beide sind jedoch polnischer Herkunft. Sie sind als Nachbarn der Russen aufgewachsen. Sie wissen, was ein Wodkatreidler ist.
Seht Euch einmal Euer Mitarbeiterteam an. Wenn Ihr die Wahl hättet, würdet Ihr Eure Mannschaft genau so aufstellen, wie sie gerade spielt? Wenn nein, ändert das! Es kommt die Zeit, da werdet Ihr es ändern müssen. Im schlimmsten Fall ist es dann zu spät und die Insolvenz ist nicht zu verhindern.
Michael Ballack hat nach dem Spiel gegen die Russen gesagt, er müsse nichts mehr beweisen. Das ist Quatsch! Jeder muss immer wieder auf's Neue beweisen, dass er in das Team gehört! Beweisen das alle Eure Mitarbeiter regelmäßig?
Euer Lasse


