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Die für mich zuständigen Bankangestellten teilten meine nostalgische, wehmütige Stimmung leider nicht, als ich mein Konto auflöste. Dabei waren wir 18 Jahre verheiratet. Mein erstes selbstverdientes Leergut-Geld landete auf diesem Konto.
All die Jahre verweilte ich täglich einige Stunden im gemütlichen Kassenraum der Bank. Einfach nur, um den Duft des Geldes und des 80er Jahre Mobiliars zu genießen. Manchmal schnüffelte ich auch heimlich an einem Überweisungsträger.
Und das sollte nun alles zu Ende gehen? Ich konnte es kaum glauben, als ich „meine“ Bank betrat. Anpfiff.
Hinter meinem Doppel-Schalter (A-L) standen zwei Spieler. Eine junge Nachwuchshoffnung und ihr erfahrener Kollege. Ich stellte mich an die Diskretionslinie. Es ist ganz wichtig, dass man diese Linie nicht überschreitet. Die ganze Halle wird videoüberwacht.
Nachdem der Bankräuber vor mir seinen Rucksack geschnürt hatte und davonlief, ging ich mit weichen Knien zum letzten Mal die drei Schritte.
Mit einem herzlichen „Guten Tag“ nahm mich die Nachwuchsspielerin, Frau Denker, in Empfang. „Guten Tag, ich möchte mein Konto auflösen“ erwiderte ich zaghaft. Ich hatte diesen Satz kaum ausgesprochen, da lag bereits das korrekte Formular 183 607.000 (Fassung September 2006) vor mir. „Sagen Sie mir bitte Ihre Konto-Nummer?“, sprach Frau Denker.
Drei Fragen später setzte ich zur Unterschrift an. Da griff Herr Hohmann, der erfahrene Kollege, ins Spiel ein. Er stand während des Trennungsaktes unweit entfernt. Frau Denker hatte auf dem zweiten Formular für meine Kreditkarte (128 076.000, Fassung August 2005) ein Kreuz vergessen. Gut, dass Herr Hohmann in der Nähe war!
Mit meinen zwei Formular-Durchschlägen verließ ich Minuten später „meine“ Bank. Ich drehte mich noch einmal um und sagte leise „Servus“. Abpfiff.
Ob Frau Denker und Herr Hohmann nicht gesehen haben, dass ich seit 18 Jahren hier ein und aus ging? Ob sie übersahen, dass ich mein Geld immer artig auf dem Giro-Konto parkte, weil ich Zinsen nicht mag? Sicher, sonst hätten sie doch bestimmt etwas gesagt. Ach hätte ich mich doch nur dieses eine Mal illegal am Schalter M-Z aufgestellt. Vielleicht wäre alles ganz anderes gekommen.
In jedem Fall haben Frau Denker und Herr Hohmann eine sehr schwache Leistung abgeliefert. Formal sicher perfekt. Doch wer allein die Regeln kennt, gewinnt keine Spiele. Spielwitz und Ideen machen den Unterschied.
Haben Sie den Mut, Ihren Charme spielen zu lassen! Haben Sie den Mut, Sätze wie: „Ach, Herr Laufen, heißt das, dass Sie nun gar nicht mehr zu uns kommen? Wir werden Sie vermissen!“ zu sagen.
Ich hätte mich gefreut und geschmeichelt gefühlt. Dann wäre ich vielleicht irgendwann zurück gekommen und vielleicht wären meine Eltern jetzt noch bei dieser Bank.
Euer Lasse


