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21. Februar 2008 12:00
Nach Feierabend: "Alles Scheiße, wa?"
Lasse's Spielanalyse. Klick it.

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Einen erstklassigen Kündigungsgrund habe ich neulich am Tresen gehört. Zumindest eine deftige Geldstrafe haben die Worte des Spielers eines großen Produktionsbetriebes verdient. Die herzerwärmende Begrüßung ließ bereits erahnen, was in den Minuten danach folgen sollte.

„Hey Alter, wie läuft’s?“ Ohne Luft zu holen folgte dieser rhetorischen Frage der hochmotivierende Satz: „Alles Scheiße, wa?“ Nicht ich wurde damit gequält, sondern ein Freund. Eine chronische Frohnatur. Beide kannten sich aus alten Tagen.

Ich lauschte gespannt, wie sich der Spieler um Kopf und Kragen redete. Innerhalb weniger Minuten erfuhr ich, wohin er jeden Morgen frisch rasiert zur Arbeit geht. Einem offenbar ganz dunklen Ort. Dass ein gewisser Horst ein „dummes Schwein“ sei, der es verdient hat, gekündigt worden zu sein. Und so weiter und so weiter.

Warum erzählt er das nicht alles Horst oder seinem Chef? Vielleicht ändert sich ja etwas an seinem schrecklichen Arbeitsalltag, wenn er die Dinge dort anspricht, wo sie passieren. Denn trotz seines verbalen Aussetzers wirkte er sympathisch. Wie jemand, der anpacken kann. Eine Type eben. Aber vielleicht will er ja auch gar nichts ändern. Außerdem hatte er bestimmt schon 2,0 Promille auf dem Kessel.

Wie reagiert ein Trainer auf Spieler, die in ihrer Freizeit öffentlich das eigene Nest beschmutzen? Keine leichte Frage. Besonders dann, wenn es sich um Leistungsträger handelt. Aber was nutzen die besten Leistungen auf dem Platz, wenn keinerlei Loyalität erkennbar ist?

Der Trainer sollte sich zunächst fragen, ob er es seinen Spielern leicht macht, eigene Ideen und Kritik dort zu platzieren, wo sie hingehören. In das Team. Und nicht ins Megafon. Er sollte sich fragen, ob es ihm gelungen ist, ein echtes Team zu formen. Ein Team, in dem sich jeder darüber im Klaren ist, was er mit solchen Äußerungen bewirkt. Das ist seine Verantwortung. Wenn der Trainer dieser Verantwortung nicht nachkommt und keinen Raum zur Entfaltung lässt, dann wird die Energie eben am Tresen verballert.

Die Verantwortung der Spieler ist es dann, den Raum auch zu nutzen. Sich die Bälle zu holen. Sich frei zu laufen. Sich anzubieten. An sich zu arbeiten. Sich weiter zu entwickeln.

So manch einer, der später auf der Straße gegen seine Entlassung protestiert, hat zuvor selbst darauf hingearbeitet.

Euer Lasse