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In diesen Tagen gelüstete es mir nach körperlicher Ertüchtigung. Bewegung soll ja sehr gesund sein. Schwitzen kam jedoch nicht in Frage. Viele Alternativen blieben also nicht. Isa schlug vor, auf einen nahegelegen Hügel zu kraxeln. Dafür sprach, dass auf diesem Hügel ein Bettenhaus mit Schenke ansässig ist. Das Ziel war ausgemacht. Nach zwei Stunden strammen Fußmarsches baten wir um Einlass. Anpfiff.
Die junge Magd sah mich an, als stünde Herr Yeti persönlich vor ihr. Und offenbar rochen wir zusätzlich nach Arbeit. In ihren Augen stand die unermessliche Anstrengung geschrieben, die wir durch unsere Anwesenheit bei ihr verursachen würden. Ich brach das Schweigen: „Guten Tag, haben Sie geöffnet?“ Beschwingt erwiderte Sie: „Setzen Sie sich mal hin!“ Ich war erleichtert. Sie konnte sprechen. Sogar unsere Sprache.
Bei rustikalem Ambiente hatten es sich zwei weitere Pärchen gemütlich gemacht. Die Kollegin der Freundlichkeit nahm sich unser an. Leider konnten wir uns danach nicht auf das Auswendiglernen der Speisekarte konzentrieren. Denn die Spieler der Schenke hatten sich hinter dem Tresen zur lautstarken Mannschaftsbesprechung versammelt. Das ist während eines Spiels vielleicht kein optimaler Zeitpunkt. Interessant war es dennoch.
Denn wir erfuhren den Grund für die schwache Ballbehandlung. Am Abend sollte ein Festessen für 30 Personen stattfinden. Die Vorfreude auf die Bewirtung der womöglich hungrigen und durstigen Wandersleute war so groß, dass Anwesende nicht als Gäste wahrgenommen wurden, sondern als Leidensgenossen. Von uns wurde Verständnis für diese Ausnahmesituation erwartet. Und so wurde ein Klagelied über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen angestimmt.
Während dessen trank ich unser einheimisches Pils und aß hurtig die schmalen, langen Bockwürste. Mehr traute ich mir nicht zu ordern. Isa kredenzte ein Stück Gebackenes. Wir wollten schnell wieder los. Im Wald war’s gemütlicher, als hier. Nach knapp 45 Minuten war das Spiel zu Ende. Abpfiff.
Ich kann nicht sagen, dass die Spieler nicht engagiert und mit Leidenschaft bei der Sache waren. Das Klagelied wurde sehr emotional und ausdrucksstark vorgetragen. Die Mannschaft hat jedoch nicht bemerkt, dass sie während des gesamten Spiels das eigene Tor beschoss.
Egal, welche Probleme es im Team oder im Verein geben mag. Es ist ein Tabu in dieser Form vor den Ohren der Kunden zu agieren. Wäre das Restaurant nicht in einer solch phantastischen Lage ohne Gegner weit und breit ansässig, die Mannschaft wäre wohl längst abgestiegen.
Ich vermute, dass der Trainer dieser Mannschaft gern und viel klagt. Besonders über die allgemeine wirtschaftliche Lage und das Wetter. Seine Mitarbeiter können das auch schon ziemlich gut.
Wenn wir das nächste Mal auf Schustern Rappen sind, nehmen wir uns jedenfalls ein paar Fettbemmen mit.
Euer Lasse


