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Wer im Mittelalter als Bettelmönch geboren wurde, der ist es meist auch sein Leben lang geblieben. Wer hingegen als Sprössling eines edlen Gutsherrn den Damenbart der Hebamme erblickte, der war fein raus. Zumindest finanziell. Mit der Intelligenz sah es da schon anders aus. Die Fähigkeit zu denken wurde bereits damals allen gleichermaßen in die Wiege gelegt.
Und so konnte es durchaus sein, dass ein mit Klunker behangener Adelsmann dumm war, wie ein Eimer Wasser. Ein Bauer hingegen schlau wie Peter Lustig. Intelligenz kann man eben nicht kaufen. Da haben wir es wieder: arm und reich ist eine Frage der Perspektive.
Daran hat sich nicht viel geändert. Mit dem Unterschied, dass heute nahezu jeder aus seinem Verstand Kapital schlagen kann. Nie boten sich einem Menschen so viele Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Willkommen in der Freiheit!
Doch die Freiheit hat einen Haken. Sie ist sehr anspruchsvoll. Sie erfordert viel Kraft und Ausdauer. Man kann nur durch harte Arbeit etwas mit ihr anfangen. Sie ist wie ein Talent. Zu wenige haben dieses Talent bisher als solches verstanden und können es daher auch nicht richtig einsetzen. Statt dessen denken zu viele noch immer in den Kategorien des Mittelalters.
Da wird von Unternehmern geredet, wenn angestellte, phrasendreschende Manager mit Hang zum Größenwahn gemeint sind. Das ist so, als würden wir Rob Roy mit König Drosselbart verwechseln. Weil es so schön ins Bild vom Unternehmer als Ausbeuter und dem Mitarbeiter als armen Unterdrückten passt. Dass manche der echten Unternehmer umgerechnet einen geringeren Stundenlohn als ihre Arbeiter und Angestellten erhalten, wäre auch mal eine Diskussion wert. Wer fordert eigentlich die 37-Stunden-Woche und den Mindestlohn für die fast 3 Millionen mittelständischen Unternehmer?
Altes Klassendenken, breitgetreten in unzähligen Talkshows von stets den gleichen Marktschreiern, bringt uns keinen Schritt weiter. Wer heute als Bauer auf die Welt kommt, ist nicht dazu verdammt, einem dümmlichen Fürsten die Kartoffeln aus dem Schrebergarten zu buddeln. Auch wenn man ihm noch so oft die Rolle des hilflos Unterdrückten einredet – bis er es glaubt.
Nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Mitarbeiter bestimmen heute ihren Marktwert selbst. Auch durch mittelalterliche Gesetze ändert sich daran nichts! Fragen Sie Ihre Mitarbeiter doch einmal, wie sie selbst ihren Marktwert einschätzen. Willkommen in der Freiheit!

